Synagieren - Initiative für gemeinsames Handeln

Wirkcamp 2009 in Würzburg

Im März 2009 fand das erste Wirkcamp in Würzburg mit über 60 Teilnehmern und 8 Referenten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik statt. Hier eine kleine Zusammenfassung der AG-Ergebnisse: 

AG 1 – T-Shirts gegen Artensterben

Wie lässt sich heute eigentlich für Artenschutz werben? Am Besten subversiv, ohne Zeigefinger, aber dennoch wirksam. Am Besten humorvoll, fokussiert, und trotzdem als Win-win-Situation für alle Beteiligten. Wie so etwas gelingt, hat diese Arbeitsgruppe mit ihrer einfachen, aber überzeugenden Lösung demonstriert.

Während des Wirkcamps wurde das Label Xtinct ins Leben gerufen und viele ansprechende T-Shirts entworfen. Die witzig gestalteten Motive sind Tierarten nachempfunden, deren Aussterben menschlich verschuldet wurde – etwa der Nasenbeutler oder die Stellersche Sehkuh – und gehören auf den ersten Blick der Kategorie “Streetwear” an. Für einen Moment rufen sie im Betrachter Schmunzeln hervor, die Botschaft dahinter stimmt jedoch nachdenklich. Wer die T-Shirts trägt, kann sich auf einer Party blicken lassen, erinnert aber gleichzeitig an das Schwinden der Biodiversität auf unserem Planeten und setzt sich bereits direkt für deren Erhalt ein.

Denn von jedem T-Shirt werden etw 4€ an die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF), einem gemeinnützigem und unabhängigem Verein, gespendet. Die ZGF fördert etwa 70 Projekte in 25 Ländern, die sich aktiv für Artenschutz einsetzen. Als Käufer kann man dabei selbst festlegen, welches Projekt gefördert werden soll. Die T-Shirts werden über den Leipziger Webshop Spreadshirt produziert und vertrieben und sind auf der Internetseite von Xtinct in zahlreichen Designs erhältlich. 

Zum Webshop vom Xtinct 



 

AG 2 – Überarbeitung von Bildungsmaterialien des BMU

Nachhaltigkeit und Umwelt sind zentrale Themen für die Bildung, doch leider kommen sie im Unterricht immer noch zu kurz. Um das zu verbessern, hat die Arbeitsgruppe 2 sich direkt an das Bundesministerium für Umwelt (BMU) gewandt und in gemeinsamer Arbeit die BMU-Broschüren und Materialien zur Gestaltung von Unterricht zu Nachhaltigkeit und Umwelt zum Thema Klima und zum Thema Energie didaktisch und wissenschaftlich überarbeitet. Außerdem wurden Konzepte erstellt, wie mehr Lehrkräfte dazu gebracht werden können die bestehenden Materialien im Unterricht auch einzusetzen.

Zwei Teilnehmer der Arbeitsgruppe haben nach dem Wirkcamp dem Bundesumweltministerium die überarbeiteten Versionen der beiden BMU-Broschüren präsentiert und ihre Vorschläge zur besseren Integration der Materialien im Unterricht diskutiert. Das BMU fand die Arbeit der AG so überzeugend, dass es die Zusammenarbeit mit uns auch auf dem nächsten Camp in Leipzig fortgesetzt hat. Leider ist es jedoch in beiden Fällen aufgrund von internen Umstrukturierungen im Ministerium nie zu einer Umsetzung unserer Eingaben gekommen.



 

AG 3 – Energiebilanz für das Biozentrum der Uni Würzburg

Öffentliche Institute spielen eine wichtige Rolle für den Gesamtstromverbrauch. Im Gegensatz zu privaten Haushalten ist es hier jedoch ungleich schwerer, nachhaltiges Verhalten anzuregen. Das liegt vor allem daran, dass – außer einem guten Gewissen – überhaupt kein Anreiz zum Energiesparen besteht: derjenige, der Energie spart oder in Energiesparmaßnahmen investiert, sieht in der Regel nichts von den Gewinnen durch die Einsparung.

Arbeitsgruppe 3 hat versucht, das zu ändern, und in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Köberlein eine Energiebilanz für das Biozentrum der Uni Würzburg erstellt. Das Ergebnis ist beachtlich: Ohne großen Aufwand kann das Biozentrum über 60.000 Euro jährlich einsparen! Die eingesparte Energiemenge entspricht dem Stromverbrauch von 14 Einfamilienhäusern und zusätzlich 67.000 Litern Heizöl im Jahr.

Die Arbeit der AG hat sich gelohnt: Nach wiederholten Treffen mit der Technischen Leitung konnten diese Pläne inzwischen umgesetzt werden. Überall im Biozentrum werden jetzt sparsamere Glühbirnen eingebaut, der energiefressende Warmwassertank im Keller wird durch einen kleineren ersetzt, und der technische Betrieb befasst sich aktuell mit dem hydraulischen Abgleich der Heizungssysteme. Außerdem hat der AK Ökologie der Studierendenvertretung Würzburg die Idee der AG aufgegriffen und bemüht sich aktuell darum, das Projekt auf die gesamte Uni auszudehnen.

Zur Website des AK Öko der Uni Würzburg


 

AG 4 – Verbesserte Öffentlichkeitsarbeit für UniSolar e.V.

Bei einem Unisolarprojekt werden Photovoltaik-Anlagen auf Universitätsgebäuden angebracht und durch studentische Mikrokredite finanziert – ein so durchdachter wie einfacher Ansatz, der sich unter anderem bereits in Dresden, Leipzig, Kassel und Karlsruhe erfolgreich umgesetzt worden ist. Das Unisolar Netzwerk ist ein Hochschulen übergreifendes Projekt, das zum Ziel hat, neue Unisolar-Initiativen zu fördern, etwa durch Vermittlung von Kontakten mit bereits erfolgreichen Initiativen oder durch Materialien wie einem Baukasten, der die nötigen Schritte zur Photovoltaikanlage auf dem eigenen Hochschuldach beschreibt.

Da es sich bei dem Netzwerk um eine rein ehrenamtlich getragene Initiative handelt, der es chronisch an Unterstützung und vor allem an Nachwuchs fehlt, hat sich Arbeitsgruppe 4 zusammen mit Mitwirkenden des Unisolarnetzwerkes zusammengeschlossen, um an einem Wochenende neue Impulse für die Entwicklung des Netzwerkes zu gewinnen und den Unisolar-Neulingen unter den Teilnehmenden dafür erste Einblicke in Unisolar zu gewähren. Dabei sind viele neue Materialien gestaltet worden, von Musteranschreiben über Präsentationen bis zu Vortrags- und Veranstaltungskonzepten. Es wurden konkrete Möglichkeiten zur Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit erarbeitet und eine kleine Kampagne gestartet, um auf das Netzwerk und die einzelnen Initiativen aufmerksam zu machen. Die Ergebnisse wurden auf den folgenden Netzwerktreffen von Unisolar präsentiert und mit großem Interesse aufgenommen und in die Homepage integriert. 

Zum Netzwerk von Unisolar 



 

AG 5 – Bio- und Fairtrade Zertifikate für Textilien im Vergleich

Spätestens seit wir wissen, dass die Herstellung vieler Kleidungsstücke mit gesundheitsschädlichen Substanzen und schockierenden Arbeitsbedingungen verbunden ist, kann das Klamottenshoppen für einen interessierten Verbraucher zu einer schwierigen Angelegenheit werden.

Obwohl es eine Vielzahl von Bio- und Fairtrade-Initiativen gibt, die bestimmte Produktionsstandards garantieren, fehlt dem Verbraucher oft die Information, was ein bestimmtes Zertifikat denn überhaupt bedeutet. Garantiert es nur den ökologischen Baumwollanbau oder setzt es sich auch für menschenwürdige Arbeitsbedingungen ein?

Auch die Tatsache, dass es schon recht schwierig ist herauszufinden, welche Zertifikate es überhaupt gibt, macht es für die meisten Verbraucher fast unmöglich, sich kurz vor einem Einkauf über Initiativen und Produktionskriterien zu informieren.

Um diese Lücke zu schließen, hat die Arbeitsgruppe 5 auf unserem ersten Wirkcamp die bestehenden Initiativen gesammelt und auf bestimmte soziale und ökologische Kriterien hin untersucht. Daraus ist im letzten Sommer dann die Internetseite www.fair-zieht-an.de entstanden. Neben einer vergleichenden Übersicht bestehender Initiativen findet man dort eine Liste mit Shops und Vertreibern von zertifizierter Kleidung und eine Diskussionsseite mit aktuellen Artikeln zum Thema. 

Zur Website von Fair zieht an.